10. Forum Bildungspartnerschaften - Zusammenwachsen von Schule und Wirtschaft - Transformationsprozesse verändern

06-10-20, Aalen

Vor einen mit hundert Teilnehmern unter Coronabedingungen vollbesetzten Saal der Stadthalle in Aalen äußerte sich die Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann am 6. Oktober 2020 sehr positiv zur Erfolgsgeschichte der Bildungspartnerschaften. Als Festrednerin des 10. Forums Bildungspartnerschaften unterstrich sie die hohe Bedeutung dieser Verbindungen für das Zusammenwachsen von Schule und Wirtschaft mit dem Ziel, jungen Menschen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern.

 

Moderator Markus Kilian im Gespräch mit Dr. Susanne Eisenmann

Im Foyer der Stadthalle Aalen (v.l.): Dr. Stefan Rössler, Geschäftsbereichsleiter Handwerkskammer Ulm; Markus Kilian, Geschäftsführer Südwestmetall Bezirksgruppe Ostwürttemberg; Thilo Rentschler, Oberbürgermeister der Stadt Aalen; Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle.

Tobias Brändle, Wissenschaftler und Projektleiter des Instituts für Angewandte Wissenschaften in Tübingen, stellte eine Studie zur Bildungsrendite

Seit zehn Jahren laden IHK Ostwürttemberg, Südwestmetall Bezirksgruppe Ostwürttemberg, Handwerkskammer Ulm sowie das Schulamt in Göppingen jährlich zum Forum Bildungspartnerschaften ein.

Diese 10-jährige Zusammenarbeit hat erreicht, dass in Ostwürttemberg rund 100 Schulen mit 400 Unternehmen eine Bildungspartnerschaft eingegangen sind. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Michaela Eberle, Geschäftsführerin der IHK Ostwürttemberg: „Bildungspartnerschaften sollen Jugendliche motivieren, Berufe auszuprobieren. Virtuelle Betriebsbesuche sind informativ, ersetzten aber kein Praktikum im Betrieb.“

Stefan Rössler von der Handwerkskammer Ulm sah einen Zusammenhang von den gelebten Bildungspartnerschaften mit steigenden Ausbildungszahlen im Handwerk. Oberbürgermeister Thilo Rentschler nutzte den Festakt, um die Leistungen der Stadt Aalen für die Schulen darzustellen. Die Digitalisierung an den Schulen erfordern in fünf Jahren Mittel der Stadt in Höhe von fast 25 Millionen Euro.

Susanne Eisenmann sprach vom starken Bildungsstandort Ostwürttemberg und der Wichtigkeit, bei der Digitalisierung an den Schulen weiterzukommen. Sie ist überzeugt von der Bedeutung der Bildungspartnerschaften, die sich seit über zehn Jahren in Baden-Württemberg etabliert haben. „Das entstandene Netzwerk aus Schulen und Unternehmen lebt von Partnern, die nicht nachlassen und die Partnerschaft ständig weiterentwickeln“, erklärte Eisenmann. „Praxiserfahrungen im Betrieb sind ein elementarer Baustein für die Berufsorientierung. Eine gute Berufsorientierung beantwortet den Schülern die Frage, was macht mir Spaß und wo liegen meine Interessen.“

An einem gelingenden und passgenauen Übergang von der Schule ins Berufsleben arbeiten in Ostwürttemberg die IHK, die Handwerkskammer und das Netzwerk Schule Wirtschaft. Eisenmann resümierte, dass sich die Bildungspartnerschaften bewährt haben und auch weiterhin unerlässlich sind.

Gefragt sind in Zukunft innovative Formate, die den Strukturwandel und den Transformationsprozess berücksichtigen und dabei für die Schüler erfahrbar bleiben. Der aktuelle Wettbewerb des Wirtschafts- und Kultusministeriums „Bildungspartnerschaften digital“ soll die digitale Zusammenarbeit verbessern und die Bildungspartnerschaften zukunftsfähig machen. Ausgezeichnet werden die besten Projektideen, wie Videos oder die Gestaltung von Web-Seiten.

Tobias Brändle, Wissenschaftler und Projektleiter des Instituts für Angewandte Wissenschaften in Tübingen, stellte im Anschluss eine Studie zur Bildungsrendite vor. Er lieferte Statistiken und Zahlen, die belegen, dass sich Bildung auch finanziell lohnt. Verglichen wurden Lebenseinkommen, die sich unterscheiden nach Personen mit einem Studienabschluss, einer Berufsausbildung, ohne Berufsausbildung und Personen mit einem Abschluss als Techniker oder Meister. Überraschenderweise liegen die Lebenseinkommen mit einem abgeschlossenen Studium und einer Fortbildung zum Techniker oder Meister eng beieinander. Erst im Alter von 62 Jahren liegen die Einkünfte der Personen mit Studienabschluss etwas höher. Mit 64 Jahren haben Personen mit einem Techniker-/Meisterabschluss etwa 1,4 Millionen Euro erwirtschaftet, Personen mit einem Studium liegen geringfügig darüber. Wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, aber auf die Weiterbildung verzichtet hat, erreicht ein Lebenseinkommen unter einer Million.

Das Fazit von Brändle ist eindeutig. „Ein Studium oder eine Berufsausbildung mit einer Weiterbildung lohnen sich. Beide Wege führen in finanzieller Hinsicht zum gleichen Ziel.“