Smartphone und soziale Medien verändern uns

26-10-18, Aalen

Die Leiterin des Instituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln sprach im Haus von Südwestmetall in Aalen über die Auswirkungen der digitalen Revolution auf den Menschen. Frau Dr. Catarina Katzer gilt als internationale Expertin für den Einfluss des Internets auf Fühlen, Denken und Handeln. Der Vortrag war Teil der Vortragsreihe „Miteinander in die Arbeitswelt“ von SCHULEWIRTSCHAFT Ostwürttemberg und der Arbeitsagentur Aalen.

Von links nach rechts: Markus Kilian, Dr. Catarina Katzer, Elmar Zillert

Das Thema stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Teilnehmer, darunter viele Lehrkräfte, Vertreter von Unternehmen, Verbänden und der Agentur für Arbeit, folgten den Ausführungen von Catarina Katzer.

Überrascht vernahmen die Zuhörer, dass die meisten Jugendlichen im Durchschnitt 24 Stunden online sind und sich bereits Kita-Kinder im letzten Jahr mindestens eine halbe Stunde täglich mit dem Smartphone beschäftigt haben. Die Menschen „verwachsen“ mit dem Smartphone. Eine Erscheinung sei das Phantomschauen“, so Katzer. „Es könnte etwas passiert sein, deshalb schauen die Nutzer ständig auf das Smartphone, selbst wenn kein Impuls von ihm ausgeht.“

Die Auswirkungen betreffen alle Menschen. Kinder und Jugendliche fühlen sich inzwischen gestresst durch Whatsapp, da sie ständig Beiträge schreiben sollten, aber auch Erwachsene erleben digitales Stressempfinden. Bei Heranwachsenden und jungen Erwachsenen ist festzustellen, dass kognitive Fähigkeiten unter dem Internetgebrauch leiden oder sich zumindest verändern. So wird durch die häufig kurzen Intervalle beim Gebrauch des Smartphones die Konzentrationsfähigkeit nachweislich beeinträchtigt. Außerdem erschwert die ständige Verfügbarkeit und der vielfache Aufruf von „Informationshappen“ im Netz die Ausprägung eines Langzeitgedächtnisses und reduziert gleichzeitig die kritische Auseinandersetzung mit aufgefundenen Inhalten.

Dadurch sind die Gefahren durch Fake News nicht zu unterschätzen. Unter dem Strich werden die Menschen anfälliger für Manipulationen und Vorurteile. Zusätzlich verstärkt sich nach den Beobachtungen von Dr. Katzer das Phänomen der Vorbilder-Suche, welches für die Jugendlichen z. B. durch „Youtube-Stars“ schnell ausufern kann und im schlimmsten Fall zu einem Realitätsverlust führt.

Sinnvolle Reaktionen in der Arbeitswelt sind das Einführen von digitalen Regeln und digitalen Beratungsteams. Katzer rät dazu, Zeitabschnitte für den digitalen Informationsaustausch einzuführen und die Nutzung des Smartphones zeitlich einzuschränken. Im Bereich der Arbeit mit Jugendlichen empfiehlt Katzer die Förderung der Kritikfähigkeit und der sozialen Kompetenz im Rahmen von Teamarbeit.

Die Gastgeber Markus Kilian, Geschäftsführer von Südwestmetall, und Elmar Zillert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Aalen, leiteten im Anschluss an den Vortrag eine kurze Diskussionsrunde. Die Beiträge bestätigten die Beobachtungen von Catarina Katzer. Trotz der technisch versierten Nutzung des Internets, Smartphones und Software-Produkten sei die Kompetenz Jugendlicher oder junger Erwachsener im Umgang mit den Ergebnissen daraus, wie beispielsweise eine Prüfung auf Plausibilität, teilweise nicht mehr so gut, so der Beitrag eines Ausbilders.