Berufliche Bildung bedeutet ganzheitliche Kompetenzentwicklung

  Rückblick auf eine Veranstaltung des Netzwerks SCHULWIRTSCHAFT Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis  Heidelberg/Rhein-Neckar Kreis
Wie lässt sich Berufsorientierung erfolgreich gestalten? 

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen unzähliger Möglichkeiten, die sich heute jungen Menschen bieten, ist die Berufsorientierung und -wahl eine Herkulesaufgabe und eine Herausforderung für alle Beteiligten. Dies nahm die Ausbildungsabteilung der Heidelberger Druckmaschinen AG in Wiesloch zum Anlass, das regionale Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT Heidelberg / Rhein-Neckar-Kreis einzuladen und gemeinsam eine zeitgemäße Gestaltung von Berufsorientierung zu diskutieren. 

Sonja Mohr, Christian Beck und Andreas Blum, aus dem Leitungsteam der Beruflichen Bildung bei HEIDELBERG, die zum Teil selbst schon eine Ausbildung im Unternehmen absolviert haben, hatten ein umfassendes Programm für unser Netzwerk vorbereitet. Zunächst wurde das 170jährige Traditionsunternehmen mit führender Position in der globalen Druckindustrie in Kürze vorgestellt. Neben der Produktion von Druckmaschinen für fast alle Sparten und Branchen hat sich HEIDELBERG auch im Geschäftsfeld der E-Mobilität mit Ladestationen und Energiemanagementsystemen erfolgreich positioniert. Zusammen mit den Vertriebspartnern sorgen insgesamt rund 9.500 Mitarbeiter an 250 Standorten in 170 Ländern weltweit für die Umsetzung der Kundenanforderungen, wobei der Service für Inbetriebnahme, Reparatur und Wartung HEIDELBERG besonders auszeichnet. 

Anschließend sammelten die Teilnehmenden, die überwiegend aus BO- und WBS-Lehrkräften aus der Region bestanden, Ideen und Anregungen, wie eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft zum Ziele der BO aussehen könnte. Dabei wünschten sie sich vor allem mehr Zeit und Ressourcen in der Schule für die Berufsorientierung. Um Berufsorientierung für junge Menschen leisten zu können, ist es unerlässlich, dass Lehrkräfte selbst Kenntnisse in der Wirtschaft erwerben können. Praxiseinblicke und Austausch zwischen Schule und Wirtschaft sind dabei sehr wichtig. 

Beim spannenden Rundgang durch die Ausbildungswerkstatt erfuhr unser Netzwerk, dass Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle in der Ausbildung spielt. Es wird nichts für die Schrottkiste produziert, sondern die Werkstücke haben immer einen konkreten Auftraggeber oder werden bspw. beim Weihnachtsmarkt verkauft und die Erlöse kommen bedürftigen Menschen aus der Region zugute. Die erfahrenen Auszubildenden beraten und unterstützen die jüngeren. Jeder Auszubildende bekommt sein eigenes iPad, so dass viele Aufgaben digital bearbeitet werden können und auch eine digitale Verknüpfung mit den Inhalten der Berufsschule gegeben ist. Schon nach 18 Monaten steht der Prüfungsteil 1 der Abschlussprüfung an, der mit 40% in die Endnote der Ausbildung einfließt. Erfreulicherweise hat HEIDELBERG in der Technischen Ausbildung auch einige Mädchen gewinnen können, doch würde man sich über noch mehr weiblichen Nachwuchs freuen. HEIDELBERG stellt pro Jahr ca. 50 Auszubildende im Technischen Bereich ein. Für die Ausbildung zum*r Industriemechaniker*in freut man sich außerdem auch über Bewerber mit einem guten Hauptschulabschluss. Dabei ist ein gutes Grundverständnis der Mathematik hilfreich, um u.a. die CNC-Maschinen programmieren und Winkel berechnen zu können. Auch Fachlagerist*in und Koch/Köchin kann mit einem soliden Hauptschulabschluss erlernt werden. Für alle weiteren Ausbildungsberufe wird ein mittlerer Schulabschluss empfohlen. Die Bewerbungen erfolgen über ein Online-Portal inklusive eines kompetenzbasierten Einstellungstests. Dies ist nach wie vor sinnvoll und notwendig, um die Grundfähigkeiten der Bewerber*innen kennenzulernen.  Zurecht stolz ist das Team der Beruflichen Bildung jedoch auf ihr Konzept des Schülerpraktikums, bei dem Jugendliche ab 14 Jahren innerhalb einer Woche die Bereiche Mechanik, Mechatronik und Elektronik kennenlernen, indem sie ein „mechatronisches Männchen“ herstellen. Dazu arbeiten sie mit verschiedenen Materialien, löten und bauen das Ganze am Ende nach Anleitung zusammen, begleitet von den Auszubildenden. Ausbildungsmeister Herr Sauer erläuterte dazu, dass die Praktika eine ideale Möglichkeit seien, um die Jugendlichen richtig kennenzulernen. Wer im Praktikum motiviert und zuverlässig war, bekommt auch bei schwächeren Noten eine gute Chance auf einen Ausbildungsplatz, weil man sich bereits kennenlernen konnte und die Eignung für ein Berufsbild damit sehr viel besser einschätzen kann.  Schülerpraktika sind in allen Berufen und Studiengängen, in denen HEIDELBERG ausbildet, möglich.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch das Kooperations-Projekt „Meisterklasse“ in Zusammenarbeit mit HEIDELBERG, das Jochen Jörder von der Theodor-Heuss-Realschule Walldorf zum Ende der Veranstaltung vorstellte. Dabei handelt es sich um eine „Technik-AG“ in Klasse 9, die von HEIDELBERG-Azubis und Ausbildungsmeistern begleitet wird. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern bearbeitet ein Projekt, aktuell ist das ein Stifthalter aus Acrylglas samt Kugelschreiber, das in der Schule begonnen und dann innerhalb von mehreren Tagen in der Ausbildungswerkstatt von HEIDELBERG mit einer „1 zu 1-Betreuung“ abgeschlossen wird. Dabei sind die technikaffinen Jugendlichen zumeist völlig begeistert von den Maschinen und Möglichkeiten im Betrieb. Gestartet wird an der Schule, an denen Azubis mit vor Ort sind. Arbeitsschritte, für die bestimmte Maschinen notwendig sind, sowie die Endmontage finden an zwei Ganztagen in der Lehrwerkstatt statt. Außerdem findet dann auch eine Betriebsführung statt, die immer großen Anklang findet. Oft entdecken die Schülerinnen und Schüler über die Praxiseinblicke auch neue Berufsfelder, die sie vorher noch nicht im Blick hatten.

Auch in der abschließenden Diskussion über die Qualität von Bewerbungen und den Nachwuchsmangel ist man sich einig: Es braucht mehr Praxisbezug und eine frühzeitige Unterstützung, auch von Seiten der Schule, im riesigen Angebot an dualen Ausbildungsberufen und Studiengängen. Dies ist nötig, um die Jugendlichen in ihrer Orientierungsphase zu begleiten, was sie in der Ausbildung oder auch im Dualen Studium erwartet. Den Betrieben geben Praktika und Schulprojekte die wertvolle Möglichkeit, den potenziellen Nachwuchs kennenzulernen und so auch Schülerinnen und Schülern eine Chance zu geben, die rein auf dem Papier durchs Raster gefallen wären. 

Weiterführende Informationen zu allen Ausbildungsberufen und Dualen Studiengängen der Firma Heidelberg finden Sie hier. 

Wir danken dem Team der Beruflichen Bildung der Heidelberger Druckmaschinen AG herzlich für den spannenden, intensiven Austausch und die interessanten Einblicke in die Ausbildung!

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Der mechatronische Mensch

Spannende Einblicke

Interessierte Zuhörer