Am 24. Oktober 2024 fand die praxisorientierte Fortbildung „Bewerben im Zeitalter von KI“ im Medienzentrum Heidelberg statt, organisiert vom regionalen Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT Heidelberg / Rhein-Neckar-Kreis. Rund 20 Lehrkräfte und weitere Akteure am Übergang Schule/Beruf nahmen an der innovativen Veranstaltung teil.
Ziel der Fortbildung war es, Lehrkräften der Berufsorientierung und WBS sowie weiteren Interessierten zu zeigen, wie Jugendliche Künstliche Intelligenz (KI) effektiv für ihre Bewerbungen nutzen können. Referent Henning Müller vom Medienzentrum Heidelberg vermittelte anschaulich, wie KI als wertvoller Sparringspartner in verschiedenen Phasen des Bewerbungsprozesses eingesetzt werden kann. Die Teilnehmenden lernten, wie sie durch KI-gestützte Medien Bewerbungen erstellen, Informationen aufbereiten und Feedback erhalten können.
„In Zeiten von KI sind Bewerbungen, die schlechter als mittelmäßig sind, ein absolutes No Go.“
Besonders spannend war das praktische Üben: Die Teilnehmenden konnten mit DSGVO-konformen Tools wie fobizz und Canva arbeiten, die auf ChatGPT basieren. Sie verfassten Bewerbungsanschreiben, erhielten direktes Feedback und trainierten Vorstellungsgespräche, um ihre Fähigkeiten zu verfeinern. Diese interaktive Herangehensweise sorgte für ein lebendiges Lernen und wertvolle Einblicke in die Nutzung von KI im Bewerbungsprozess. Auch die kritische Betrachtung kam dabei nicht zu kurz. So fiel z.B. auf, dass das Feedback des Chatbots generell als zu positiv wahrgenommen wurde. Dies liegt laut Henning Müller auch an kulturellen Unterschieden, da die KI im amerikanischen Raum kreiert wurde, der zu einer sehr positiven, indirekten Kommunikation neigt, während in Deutschland klare Worte und Kritik durchaus üblich sind. Entscheidend für einen zielführenden Feedback-Dialog mit der KI sind daher klar formulierte Anweisungen und Erwartungen anhand der Prompts. Dies erfordert einige Übung, bis wirklich gute Ergebnisse erzielt werden.
Ein Lehrer merkte an, dass sich gerade schwächere Schülerinnen und Schüler womöglich schnell von den gut klingenden ChatGPT-Formulierungen für ein Bewerbungsschreiben blenden lassen würden, auch wenn die Inhalte eigentlich gar nicht wirklich passend oder zu allgemein seien. Diese Gefahr sieht auch Henning Müller und erläutert, dass hier der kritische Blick der Lehrkraft gefragt sei. Zugleich ist auch klar: „In Zeiten von KI sind Bewerbungen, die schlechter als mittelmäßig sind, ein absolutes No Go. Denn mittelmäßige Bewerbungen schafft jede KI. Ein richtig guter Text ist jedoch viel mehr als ein sauber formulierter Text ohne Rechtschreibfehler, weil er es schafft eine Persönlichkeit widerzuspiegeln. Das kann die KI nicht oder maximal durch sehr gute Anweisungen.“ Nichtsdestoweniger sei die KI eine sehr gute Grundlage, um die Angst vorm leeren Blatt zu nehmen. Die Textvorschläge seien als Basis zu verstehen, der dann durch individuelle Anpassungen Persönlichkeit verliehen werden muss.
Ein weiterer Fokus lag auf der Diskussion über die Grenzen und Fallstricke der KI-Anwendungen, was den Teilnehmenden half, ein umfassendes Verständnis für die Möglichkeiten und Herausforderungen zu entwickeln. Dabei warf Henning Müller auch einen Blick über die EU-Grenzen hinaus, wo mit FinalRoundAI auch Vorstellungsgespräche mit Stimmenerkennung und Konversationsmodus geübt oder echte Gespräche live mitgeschnitten und ausgewertet können. Sogar Emotionen wie Unsicherheit erkennt die KI und kann dies entsprechend auswerten, beispielsweise als Tool für Personaler. Dies ist jedoch innerhalb der EU bisher nicht zugelassen, veranschaulicht aber die auch bedenklichen Möglichkeiten, die bereits jetzt zur Verfügung stehen.
Die Veranstaltung war so gestaltet, dass sowohl Neueinsteiger als auch Fortgeschrittene im Bereich KI willkommen waren.
Wir bedanken uns herzlich beim Medienzentrum Heidelberg für die großartige Kooperation und die wertvolle Expertise, die uns in dieser Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurde. Solche Formate sind wichtig, um den Übergang von Schule zu Beruf zeitgemäß zu gestalten und die Jugendlichen bestmöglich auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte und Veranstaltungen in der Zukunft!
Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich gerne an Annika Gebauer.


