Am 7. November 2024 hatten Lehrkräfte und weitere Aktive am Übergang Schule/Beruf im Rahmen des regionalen Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT Heidelberg / Rhein-Neckar-Kreis die Gelegenheit, einen exklusiven Blick hinter die Kulissen von Collins Aerospace in Heidelberg zu werfen. Der Standort, der seit mehr als 60 Jahren eine Schlüsselrolle in der Entwicklung und Produktion von hochmodernen Avionik- und Verteidigungsprodukten spielt, öffnete seine Türen für eine spannende Betriebsbesichtigung.
Einblick in die faszinierende Welt der Luft- und Raumfahrttechnik
Mit über 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer langen Tradition in der Herstellung von hochkomplexen Systemen, wie Drallrädern für Weltraumsatelliten und Mission-Computern, stellt Collins Aerospace in Heidelberg seine Expertise in der Luft- und Raumfahrt unter Beweis. Die Teilnehmer der Betriebsbesichtigung erfuhren aus erster Hand, wie in der modernen Produktionsstätte hochentwickelte Navigationssysteme und Avionik-Produkte entwickelt und getestet werden. Rund 160 Menschen arbeiten am Heidelberger Standort allein in der Entwicklung, um die hohen Ansprüche der Kunden in der Luft- und Raumfahrt zu erfüllen.
Besonders beeindruckend war der Rundgang durch das Ausbildungszentrum und die Montagehallen. Ausbildungsmeister Thorsten Oberle informierte über den Arbeitsalltag vor Ort und die besonderen Ansprüche, die zu erfüllen sind. Die zu fertigenden Drallräder, oder auch Satellitenreaktionsräder, müssen eine störungsfreie Laufzeit von 22 Jahren im All garantieren. Denn ist ein Satellit erst einmal im Einsatz, kann vor Ort nichts mehr repariert werden. Die Drallräder arbeiten rund um die Uhr und sorgen dafür, dass sich der Satellit zu 100 % auf dem richtigen Kurs befindet. Dafür ist in der Montage äußerste Präzision und Perfektion im Mikrometer-Bereich notwendig. Pro Satellit wie z.B. beim Galileo-System werden vier Drallräder eingebaut, von denen drei permanent laufen. Das vierte dient als Ersatz, sollte doch einmal eines ausfallen. Collins Aerospace am Standort Heidelberg ist Marktführer in diesem komplexen Bereich und zurecht stolz darauf. Startet eine besondere Mission mit Heidelberger Produkten ins All, so trifft sich die Belegschaft auch schon einmal in der Kantine, um die Übertragung gemeinsam live anzuschauen.
Der zweite Fokus liegt auf Mission-Computersystemen für Fighter Jets im Verteidigungssektor. Zu den Kunden gehören neben dem US-amerikanischen u.a. auch das deutsche Militär. Dies geht auch in der Ausbildung mit besonderen Sicherheitsvorgaben einher. Heidelberg ist in Deutschland der einzige Standort von Collins Aerospace, der militärische Produkte entwickelt und herstellt.
Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bei Collins Aerospace
Karlheinz Fallenstein, Leiter der Beruflichen Bildung am Standort, stellte die verschiedenen Ausbildungsberufe und Studiengänge vor, die Collins Aerospace in Heidelberg anbietet. Neben klassischen IHK-Ausbildungsberufen wie Elektroniker*in für Geräte und Systeme, Industriemechaniker*in und Fachinformatiker*in für Systemintegration, werden auch duale Studiengänge in Elektrotechnik und Informatik in Zusammenarbeit mit der DHBW angeboten. Diese vielfältigen Ausbildungswege bieten jungen Menschen exzellente Perspektiven in einer zukunftsweisenden Branche. Fallenstein erläuterte, dass ihre Auszubildenden und Studierenden ganz unterschiedliche Niveaus mitbringen würden. Vom 16jährigen mit Hauptschulabschluss bis hin zu Studienabbrechern mit Anfang 20 sei alles dabei. Interessenten bewerben sich über die Homepage und werden anschließend zu einem Online-Einstellungstest eingeladen, der auf den jeweiligen Ausbildungsberuf oder das Duale Studium zugeschnitten ist. Fallenstein betont: „Bei der Auswahl neuer Auszubildender ist nicht der Beste relevant, im Sinne der Schulnoten oder der Ergebnisse des Einstellungstests, sondern das beste Match.“ Denn es müsse insgesamt zwischen Bewerber und Betrieb und auch im Ausbildungsteam passen. Deshalb sind Praktika so wichtig, aus denen heraus sich viele ihrer Einstellungen ergeben. Im Praktikum merken die jungen Menschen, ob der Betrieb und die Arbeit zu ihnen passen. Sie werden auch von den Auszubildenden betreut, die anschließend ebenfalls ihre Einschätzung abgeben, ob die Personen ins Team passen könnten.
Beim Rundgang und anschließenden Gespräch lernten die Teilnehmenden auch die Azubis Tim, Daniel, Maximilian und Kevin kennen. Sie berichteten von ihrem Weg zu Collins und ihren spannenden Einsatzgebieten. Besonders dabei ist, dass sie anders als viele andere Auszubildende nicht nur Projekte für die „Schrottkiste“ bearbeiten, sondern bereits Aufträge für die echte Fertigung übernehmen. Es kommt auch vor, dass sie gemeinsam im Ausbildungsteam Lösungen für akute Bedarfe entwickeln. Durch diese Einbindung ins echte Tagesgeschäft erhalten die Ausbildungsinhalte eine besondere Sinnhaftigkeit. Flexible Arbeitszeiten, bis zu 30 Tage mobiles Arbeiten im Jahr und eine ausgezeichnete Kantine, wie die Azubis begeistert berichten, sind weitere attraktive Bestandteile einer Ausbildung bei Collins.
Berufsorientierung im Fokus: Gemeinsam in die Zukunft blicken
Die Veranstaltung schloss mit einem regen Dialog zwischen den Teilnehmenden und den Experten von Collins Aerospace über die Herausforderungen der Berufsorientierung und Nachwuchsgewinnung. Sie bot damit nicht nur einen wertvollen Einblick in ein führendes Unternehmen der Branche, sondern auch praxisnahe Impulse für eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Schulen und der regionalen Wirtschaft.
Fazit: Ein gelungener Austausch für die berufliche Orientierung
Die Betriebsbesichtigung bei Collins Aerospace war eine hervorragende Gelegenheit, sich intensiv mit den Anforderungen für eine Ausbildung in der Luft- und Raumfahrtindustrie auseinanderzusetzen und gleichzeitig wertvolle Kontakte zu knüpfen. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Unternehmen und Bildungseinrichtungen gemeinsam daran arbeiten können, die Berufsorientierung aktiv zu gestalten und die Nachwuchsgewinnung nachhaltig zu fördern.
Wir bedanken uns bei Collins Aerospace für die spannende Führung und den offenen Austausch und freuen uns auf eine weiterhin enge Zusammenarbeit in der beruflichen Orientierung und der Ausbildung der Fachkräfte von morgen.
Weitere Informationen zu den Praktikums-, Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bei Collins Aerospace in Heidelberg finden Sie hier.
