Doch was ist wirklich dran und welche Erfahrungen machen Ausbildungsbetriebe tatsächlich mit der GenZ? Welche Strategien gibt es, um Arbeitgeber und potenzielle Nachwuchskräfte sowohl vor als auch während der Ausbildung besser zusammenzubringen? Das regionale Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT Heidelberg / Rhein-Neckar-Kreis wollte mit dem Mythos aufräumen und ihm Fakten gegenüberstellen, um jungen Menschen einen bestmöglichen Übergang von der Schule in die Ausbildung zu ermöglichen und um Ausbildungsabbrüchen vorzubeugen.
Am 27. November 2025 kamen wir online zusammen, um zunächst einen Vortrag zum Thema von Melanie Brender, Ausbilderin bei der ABB AG in Heidelberg, zu hören, die von den Erfahrungen eines großen Industrieunternehmens in der Ausbildung berichtete. Hierbei stellte sie nicht nur gängigen Vorurteilen wie der „faulen, arbeitsunwilligen Jugend“ oder den „digital natives, die nur aufs Handy starren“ konkrete Fakten gegenüber, sondern ging auch auf das Thema mentale Gesundheit und krankheitsbedingte Ausfallquoten ein, das viele Ausbildungsbetriebe aktuell beschäftigt.
10% der Jugendlichen kommen aufgrund von psychischen Problemen gar nicht erst in den Arbeitsmarkt. 18% insgesamt leiden unter chronischen, psychischen Erkrankungen. Doch auch wenn sich die GenZ im Schnitt häufiger krankmeldet als ältere Generationen, so ist die Krankheitsdauer weniger lang. Beträgt der Krankenstand im Gesamtdurchschnitt 5,4 %, so liegt er bei Beschäftigten unter 30 Jahren bei lediglich 4,7 %. Entgegenwirken kann man Krankenständen und psychischen Problemen in der Ausbildung vor allen Dingen durch gute, verlässliche Kommunikation und persönliche Bindung, so Melanie Brender. Viele Auszubildende haben einen großen Beratungsbedarf, nicht nur in der Arbeit, sondern auch persönlich oder in der Alltagsbewältigung. Wer hier unterstützt, trägt zum Wohlbefinden der jungen Leute bei und befördert damit auch ein positives, vertrauensvolles und produktives Arbeitsklima.
Im Anschluss an den Vortrag von Melanie Brender diskutierten wir das Thema im Rahmen einer Austauschrunde mit Elke Bach von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Heidelberg, Iris Wolf von der IHK Rhein-Neckar und Sandro Berger von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald.
In Kürze zusammengefasst standen folgende Erkenntnisse im Fokus:
- Eine klare, offene Kommunikation ist entscheidend für den Umgang mit der jungen Generation in Schule und Ausbildung. Es reicht nicht mehr, Regeln zu benennen, sondern das „Warum“ muss deutlich gemacht und begründet werden. Je stärker der Nachwuchs in Entscheidungsprozesse eingebunden wird oder diese zumindest präzise erklärt werden, desto höher ist die Akzeptanz.
- Wertschätzung und Sinnhaftigkeit in der Arbeit sind entscheidende Treiber für eine langfristige Zufriedenheit der GenZ auf dem Arbeitsmarkt.
- Flexibilität bzgl. der Arbeitszeiten und Arbeitsgestaltung sollte im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten angeboten werden.
- Die Eltern sollten in die Berufsorientierung bestmöglich integriert werden, da ihre Vorstellungen des aktuellen Ausbildungsmarkts veraltet sind und sie ihre Kinder in der Folge oft falsch beraten.
- Trotz der Zuschreibung als „Digital Natives“ mangelt es der jungen Generation – wie auch den älteren – oft an Medienkompetenz. Hier ist Unterstützung und Anleitung gefragt.
- Das Vorurteil der „faulen Jugend“ stimmt nicht. Sie sind lediglich oft nicht mehr bereit, sinnlose Tätigkeiten oder ein schlechtes Betriebsklima auszuhalten und suchen sich dann etwas Neues. Aufgrund des Nachwuchsmangels sind junge Menschen mit Potenzial in der günstigen Situation, sich eine attraktive Arbeitsstelle auszusuchen.
- Arbeitgeber und Ausbilder müssen keine extremen Zugeständnisse wie die Vier-Tage-Woche bieten. Ein leichtes Entgegenkommen wie eine verbesserte betriebliche Kommunikation, ein positiver Teamgeist, Nahbarkeit und etwas Flexibilität in der Arbeitsgestaltung reichen oft schon, um die junge Generation zu gewinnen und zu halten.
Wir bedanken uns herzlich bei Melanie Brender, Elke Bach, Iris Wolf und Sandro Berger für die spannenden Einblicke und die Expertise!
