Insgesamt 5 Werke erstrecken sich entlang des Kochers von Abtsgmünd bis Hohenstadt, in denen rund 60.000 Achsen und Getriebe pro Jahr für den weltweiten Markt produziert werden. „Hier wird noch alles selbst gemacht: schleifen, drehen, zerspanen“, technischer Ausbildungsleiter Hubert Fuchs spricht von einer hohen Entwicklungs- und Konstruktionskompetenz bei Kessler & Co. „Wenn es etwas Neues gibt in Sachen Achsen oder Getriebe, gehen wir voran“, so Fuchs bei der Firmenvorstellung im Rahmen unserer Betriebsbesichtigung am 12.11.2025 in Abtsgmünd. Rund 25 Teilnehmer*innen aus Schule und Wirtschaft sind der Einladung des Aalener Netzwerks gefolgt, um die Ausbildungsabteilung bei Kessler & Co. kennenzulernen, sich zu vernetzen, ganz persönlich ins Gespräch zu kommen.
Mit einer Ausbildungsquote von über 10 Prozent werden hier rund 140 Jugendliche in technischen und kaufmännischen Berufen ausgebildet. Gerade im vergangenen Jahr investierte das Unternehmen rund zwei Millionen Euro in die Erneuerung und Ausstattung der Lehrwerkstatt, die kurz vor Fertigstellung steht. Auf ca. 4000qm gibt es 65 Arbeitsplätze für Azubis, in der auch verschiedene, von Azubis (um)gebaute Exponate zu bewundern sind. U.a. eine ausgeklügelte Murmelbahn und die selbstgebaute Orgel, die „die einzigen Pfeifen in der Lehrwerkstatt sind“. Hubert Fuchs berichtet von einer hohen Offenheit und Fehlertoleranz im Umgang mit den Auszubildenden. Die Geschäftsführung ist direkt an die Lehrwerkstatt angegliedert, die Chefetage täglich durch persönliche Rundgänge in den Hallen präsent und ansprechbar. Auch bei der Auswahl der Auszubildenden setzt das Unternehmen auf Menschlichkeit, das gewisse Bauchgefühl. So ist die einzelne Note nicht unbedingt entscheidend, laut Fuchs „muss der Charakter, der Typ“ passen. Kessler & Co. verfolgt in der Ausbildung „die mehr ist, als nur eine Lehre“ einen ganzheitlichen Ansatz. Neben der fachlichen Ausbildung steht die Persönlichkeitsstärkung, u.a. durch die Kooperation mit regionalen Kindertagesstätten, dem Azubi-Wochenendtrip mit geführter (und herausfordernder!) Gletscherbesteigung oder dem Wildwasser Rafting- Ausflug ins Allgäu. Die Gesundheitswoche wurde in der Vergangenheit als Reaktion auf vermehrte Krankheitstage ins Leben gerufen, in der die Azubis präventiv Input rund um Ernährung, Bewegung, Sport bekommen. Ein tolles und funktionierendes Ausbildungskonzept, das begeistert!
Neben Firmenvorstellung und Betriebsrundgang kamen die anwesenden Ausbilder*innen, Lehrkräfte und Vertreter*innen weiterer Institutionen am Übergang Schule / Beruf darüber hinaus zum Querschnittsthema „Raus aus der Komfortzone! Durchhalten lohnt sich! Erarbeitung von Lösungsansätzen, um erfolgreich im Berufsleben anzukommen!“ ins Gespräch. Nicole Rathgeb, Schulleiterin an der Friedrich-von-Keller-Schule Abtsgmünd und Vorsitzende des Aalener Netzwerks moderierte den ehrlichen Diskurs gemeinsam mit Hubert Fuchs. Auslöser für dieses Schwerpunktthema war die Beobachtung bei Kessler & Co., dass der hausinterne Mathe-Test zu Beginn der Ausbildung in den vergangenen Jahren immer schlechter ausgefallen ist, ein wirkliches „Sitzen der Grundrechenarten auf 7. Klasse-Realschulniveau“ bei den Azubis nicht mehr Standard ist. Und die besorgte Frage nach dem warum. Eine spannende Diskussion entstand, in der die Problembeschreibung kurz und mögliche Lösungsansätze intensiv durch alle anwesenden Fachkräfte der beruflichen Orientierung diskutiert wurden! Doris Pfleiderer, Vorsitzende des Schwäbisch Gmünder Netzwerks brachte es auf den Punkt: Auf allen Ebenen „müsse Klartext“ geredet werden. Aus ihrer Sicht sollte konsequent in die frühkindliche Bildung investiert, anwendungsorientierter Unterricht als Standard in Schule umgesetzt und insgesamt Mathe als Schlüsselfach des 21. Jahrhunderts behandelt werden.
Darüber hinaus war sich die Runde darüber einig, dass Anstrengungsbereitschaft und Selbstwirksamkeit bei den Azubis gefördert werden und die Stärken der „Jugend von heute“ genutzt werden sollten. Denn neben der Feststellung, wie „anders“ Jugendliche heutzutage aufwachsen, sich entwickeln und ganz allgemein „sind“, sollte eines nicht vergessen werden: die sog. GenZ ist mutiger und selbstbewusster denn je. Ein wahrer Schatz, den es zu heben gilt!
Vielen herzlichen DANK an Kessler und Co., Hubert Fuchs und Ausbilderteam für die herzliche Gastfreundschaft, den intensiven Einblick und Diskurs rund um die Ausbildung!


